Der Kampf um die Arbeitszeit ist so alt wie die konkrete Arbeit selbst. Dabei gibt es ein ständiges Auf und Ab. So war zu Kaisers Zeiten die Unterrichtsverpflichtung für Volksschullehrerinnen deutlich niedriger als heute: 26 Stunden waren es im Regierungsbezirk Hildesheim, nach jeweils zwölf Dienstjahren wurden es jeweils zwei Stunden weniger. Von solcher Altersermäßigung können wir heute nur träumen.

Versuch der Arbeitszeiterhöhung endet mit Niederlage vor Gericht
Gegenwärtig ist die Unterrichtsverpflichtung seit ca. 25 Jahren konstant. Mit einer Ausnahme: Die aktuelle Landesregierung hat im Juli 2013 angekündigt, die Arbeitszeit im gymnasialen Bereich um eine Stunde zu erhöhen und die versprochene Altersermäßigung für über 55-jährige wieder zu kassieren. Damit trat sie eine große Protestwelle los. Die GEW, andere Bildungsverbände, Kollegien zeigten auf vielfältigste Weise ihren Unmut; Eltern- und Schülervertretungen solidarisierten sich. Am Ende gab es eine juristische Schlappe für die Landesregierung: Das Oberverwaltungsgericht (OVG) erklärte die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für rechtswidrig, weil die Landesregierung die Erhöhung nicht rechtskonform begründen konnte. Die Altersermäßigung blieb gestrichen, da sie eine freiwillige Leistung des Arbeitsgebers sei, für die geringere Begründungs-Maßstäbe gelten würden.

Arbeitszeitstudie als gerichtsfester Beweis
Während der Proteste initiierte die GEW die Arbeitszeitstudie, um die Belastungen der Lehrkräfte wissenschaftlich fundiert darlegen zu können und die unsichtbare Arbeitszeit der Lehrkräfte sichtbar zu machen. Erst mit einer Pilotstudie am Hannoverschen Tellkampf-Gymnasium, dann von Ostern 2015 bis Ostern 2016 an 255 Schulen sämtlicher Schulformen.
Mit dem erwähnten Urteil des OVG wurde die Arbeitszeitstudie in ihrer Bedeutung aufgewertet. Sie ist nun nicht nur in der politischen Auseinandersetzung relevant, sondern auch vor Gericht. Das OVG erklärte, dass „die tatsächlichen Grundlagen [für die Entscheidung zur Veränderung der Arbeitszeitverordnung] in einem transparenten und sachgerechten Verfahren sorgfältig und nachvollziehbar ermittelt“ werden müssen und eine solche Ermittlung der „tatsächlichen Arbeitszeit … empirische Elemente enthalten“ muss.
Diese Vorgabe wird der vorliegenden Arbeitszeitstudie vollumfassend erfüllt. Die Ergebnisse basieren auf wissenschaftlicher Grundlage, sind transparent dargestellt und somit rechtlich relevant und politisch nicht zu ignorieren.

GEW wird weitere gerichtsfeste Beweise vorlegen
Die GEW bleibt nicht bei der Erhebung der Arbeitszeit stehen. Dies ist nur der quantitative Aspekt des Alltags der Lehrerinnen und Lehrer. Im Rahmen der Arbeitszeitstudie wurde auf eine Belastungsstudie durchgeführt – also der qualitative Aspekt des Berufs in den Blick genommen. Die Belastung der Lehrkräfte kann man nicht nur in der Arbeitszeit ausdrücken, sondern auch anhand der Ansprüche an den Beruf und die Intensität der Arbeit beurteilen. Die Ergebnisse dieser Studie werden ebenso rechtlich relevant sein und im Herbst 2016 vorliegen.

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