Ein wesentliches Ziel der Studie ist es, dass über die Ergebnisse diskutiert wird und nicht über das Entstehen der Ergebnisse. Daher ist im Abschlussbericht der Universität Göttingen, die in Person von Dr. Frank Mußmann die Studie durchgeführt hat, die Vorgehensweise ausführlich erläutert (siehe Download-Bereich).

Qualität der Daten gesichert
Dabei muss man sich vor allem mit dem Vorurteil auseinandersetzen, „Wenn Lehrer ihre eigene Arbeitszeit aufschrieben, weiß man doch schon vorher, was dabei herauskommt“. Abgesehen davon, dass eine solche Vermutung mehr über eine/n selbst sagt, als über die Lehrkräfte, gibt es doch einige Verfahren, die solche Selbstaufzeichnungen noch glaubwürdiger machen: Zwang zum zeitnahen Eintragen, umfassende Plausibilitätsprüfungen, individuelle Nachfragen durch die auswertenden Wissenschaftler, Selbstverpflichtungserklärungen, klare Kommunikation zu streitbaren Einträgen, der Verzicht auf automatisierte Einträge zum Beispiel.
Dies alles wurde im Rahmen der Studie geleistet; zudem wurden an jedem teilnehmenden Kollegium MultiplikatorInnen als erste Ansprechpersonen für Rückfragen geschult, es gab ein Online-Forum für den gegenseitigen Austausch, eine umfangreiche Handreichung seitens der durchführenden Universität Göttingen u.v.m. Die Qualität der Daten stand bei der Studie an oberster Stelle.

Repräsentativität als Ziel
Neben der Qualität der Daten war die Repräsentativität der Daten wichtig: Es durfte keinen Teilnehmer geben, der sich nur als Lehrer ausgibt, ohne einer zu sein. Es sollten am Ende keine Ergebnisse rauskommen, die nicht gerichtsfest für alle gelten können. Es sollten im Verlaufe der Studie nicht zu viele Teilnehmer abbrechen, so dass letzten Endes die Studie für alle sinnlos geworden wäre.
Daher hat die GEW nicht einzelne Lehrkräfte zum Mitmachen aufgefordert, sondern ganze Kollegien, von denen wiederum mindestens die Hälfte sich beteiligen sollte. In Erwartung individueller Abbrüche sollte durch hohe Hürden am Beginn das Fortlaufen der Studie bis zum Ende gesichert werden. Das hat funktioniert. 255 Schulen (8 Prozent aller Schulen) bzw. 2869 LehrerInnen (3,6 Prozent aller Lehrkräfte) konnten am Ende ausgewertet werden. Die Abbruchquote war sehr gering, was die große Bedeutung der Studie für die KollegInnen zeigt.
Es ist dadurch gelungen, repräsentative Ergebnisse für die Schulformen Gesamtschule, Grundschule und Gymnasium zu erhalten. Für Berufsbildende Schulen, Haupt-/Real-/Oberschulen sowie Förderschulen gibt es nur Pilotergebnisse.

Erfassung und Vergleichbarkeit der Arbeitszeit
Lehrkräfte müssen so viel arbeiten wie Landesbeamte, also 40 Stunden in der Woche. Dabei haben sie aufgrund der Schulferien aber häufiger unterrichtsfreie Tage. Und ihre Arbeitszeit wird nur zu einem Teil festgesetzt – der Unterrichtsverpflichtung –, während der zeitlich größere Teil flexibel ist. Dies ist der unsichtbare Anteil der Lehrerarbeit, der nicht vor der Klasse stattfindet, und den die Studie sichtbar machen wollte.
Dazu hat die Universität Göttingen unterstützt von der GEW ein Kategoriensystem für die Erfassung der Arbeitszeit entwickelt. Am Ende waren es gut 20 Kategorien für jede Schulform, in die die TeilnehmerInnen mit Hilfe der Software TimeTracker minutengenau ihre Arbeitszeit protokollieren mussten. So konnte nicht nur die Arbeitszeit erfasst werden, sondern auch die Lage der Arbeitszeit und der Gegenstand der Arbeit.
Über einen etwas komplizierteren Rechenweg – ausführlich erklärt im Abschlussbericht – gelingt die Vergleichbarkeit der tatsächlichen Arbeitszeit der Lehrkräfte mit der verlangten Arbeitszeit, die sich aus der 40-Stunden-Beamtenwoche mit sechs Wochen Urlaub ergibt.