Gerichtsfeste Fakten

Niedersächsische Gymnasiallehrkräfte arbeiten pro Woche durchschnittlich 3:05 Zeitstunden über den Sollwert, also die vergleichbare Arbeitszeit der Verwaltungsbeamten. Die Gymnasiallehrkräfte haben die höchste Arbeitszeit von allen Schulformen. Insgesamt summiert sich die unbezahlte Mehrarbeit aller Lehrkräfte an Gymnasien auf etwa 50.000 Stunden pro Woche. Der Durchschnittswert bezieht sich auf das statistische Konstrukt „Vollzeitlehreräquivalente“, in dem Vollzeit- und Teilzeitlehrkräfte zusammengefasst sind.

Die Niedersächsische Arbeitszeitstudie 2015/16 hat die Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts exakt empirisch ermittelt. Und zwar gerichtsfest nach den Kriterien, die das OVG Lüneburg aufgestellt hat. Der reine Unterricht macht an Gymnasien mit 14:10 Stunden 28,5 Prozent der Arbeitszeit aus. Der tatsächliche Aufwand an vor- und nachgelagerter
Arbeit pro Unterrichtsstunde beträgt 1:53 Stunden. Eine 45-Minuten Unterrichtsstunde entspricht also einem Ist-Aufwand von 2:38 Stunden. Das wird bisher von der Regierung völlig unterschätzt und in der Arbeitszeitverordnung nicht berücksichtigt.

An keiner anderen Schulform wird so viel Zeit für Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie für Korrekturen aufgewendet. Der Anteil des Zeitaufwands für Konferenzen, Arbeitsgruppen, Sitzungen und Pädagogische Kommunikation beträgt zusammengefasst 8,3 Prozent und liegt dagegen unter dem der anderen Schulformen. Die anderen außerunterrichtlichen Tätigkeiten unterscheiden sich zwischen den Schulformen nicht wesentlich.

 

Spitzen der Arbeitszeit

An den Wochenenden der Schulzeitwochen arbeiten Gymnasiallehrkräfte durchschnittlich 5:39 Stunden, insgesamt gibt es eine 45-Stunden-Woche. Für Feiertage und Ferien weist die Studie „ein nicht unerhebliches Arbeitszeitaufkommen“ aus. Fast jede fünfte Vollzeit-Lehrkraft arbeitet mehr als 48 Stunden und überschreitet damit den arbeitsrechtlich erlaubten Maximalwert. Hier muss die Landesregierung handeln: Eine Änderung der Arbeitszeitverordnung ist überfällig.