Grundschullehrkräfte
Niedersächsische Grundschullehrkräfte arbeiten pro Woche durchschnittlich 1:20 Zeitstunden über dem Sollwert, also über der 40-Stunden-Woche der Verwaltungsbeamten. Zentral ist außerdem die Erkenntnis, dass Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern weniger Zeit für notwendige außerunterrichtlichen Tätigkeiten und weniger Möglichkeiten zur flexiblen Gestaltung ihrer Lebenszeit zur Verfügung steht als Lehrkräften anderer Schulformen. Die Grundschullehrkräfte haben nicht nur die höchste Unterrichtsverpflichtung von allen Schulformen, sie sind auch stärker als alle anderen mit ihrer Arbeit an die Schule gebunden.

Der reine Unterricht macht an Grundschulen mit 18:00 Stunden 37,5 Prozent der Arbeitszeit aus. Mit Aufsichten und Vertretung arbeiten die Grundschullehrkräfte 19:30 Stunden oder 40,7 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Schülerinnen und Schülern. Das ist ein Spitzenwert im Vergleich zu den anderen Schulformen. (Gymnasien 30 %, Gesamtschulen 33 %). Und Aufsichten in der Grundschule sind eine intensive pädagogische Arbeit.

Die Analyse der Tätigkeitsverteilung in der Schulzeitwoche zeigt, dass der Zeitaufwand für die Gestaltung des Arbeitsraums in der Schule und für pädagogische Kommunikation an Grundschulen mit Abstand am höchsten ist. Für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts erreichen sie mit 9:50 Stunden einen Mittelwert zwischen Gymnasien und Gesamtschulen. Lediglich die Korrekturzeit liegt mit 2:03 Stunden deutlich am unteren Rand.

Entgrenzte Arbeit
Eine 45-Minuten Unterrichtsstunde entspricht insgesamt einem Ist-Aufwand von 2:00 Stunden. Die zwangsläufigen Folgen sind Arbeit am Wochenende von durchschnittlich 3:41 Stunden pro Schulzeitwoche, und „ein nicht unerhebliches Arbeitszeitaufkommen“ an Feiertagen und Ferien. Es ist offensichtlich, dass die notwendige Zeit für ungestörte Erholung fehlt. 17 Prozent der Grundschullehrkräfte arbeiten mehr als 48 Stunden während der Unterrichtszeit und überschreiten damit den arbeitsrechtlich erlaubten Maximalwert. Im Übrigen ist die Aufgabe der Inklusion mit den notwendigen Kooperationszeiten bisher noch nicht in der Arbeitszeitverordnung berücksichtigt.

Die Landesregierung muss handeln: Eine Änderung der Arbeitszeitverordnung ist überfällig.

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