Das folgende Ergebnis der Arbeitszeitstudie wirkt auf den ersten Blick irritierend und entspricht nicht der Selbstwahrnehmung an den Gesamtschulen: Niedersächsische Gesamtschullehrkräfte arbeiten im Durchschnitt pro Woche mit drei Minuten nur knapp über dem Sollwert, also über der 40-Stunden-Woche der Verwaltungsbeamten. Der Durchschnitt wird mit Hilfe des statistischen Konstrukts „Vollzeitlehreräquivalent“ berechnet, in dem Vollzeitlehrkräfte und Teilzeitlehrkräfte zusammengefasst werden. Die Differenzierung nach Teilzeitlehrkräften und Vollzeitlehrkräften zeigt einen interessanten Befund.

Teilzeitlehrkräfte an Gesamtschulen leisten 2:31 Stunden unbezahlte Mehrarbeit. Ihre wöchentliche Soll-Arbeitszeit beträgt 33:45 Stunden. In der Realität schwanken die Arbeitszeiten in den Schulzeitwochen zwischen 32 und 37 Stunden mit einem Maximum von 37:14 Stunden. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 36:16 Stunden liegt damit deutlich über dem Sollwert.

Teilzeitlehrkräfte zeigen damit klar auf, wie viel Vor- und Nachbereitungszeit notwendig ist. Sie können diese nur leisten, weil sie ihre Unterrichtsverpflichtung reduziert haben. Viele jüngere Lehrkräfte haben ausdrücklich deswegen Anträge auf Teilzeitarbeit gestellt, damit sie die Qualitätsmaßstäbe erfüllen können, die ihrem Professionalitätsverständnis entsprechen. Ein weiterer Faktor für unbezahlte Mehrarbeit der Teilzeitlehrkräfte sind die nicht-teilbaren Aufgaben (Klassenleitung, Konferenzen, Mitarbeit in den Schulgremien), die sie zu 100 Prozent leisten.

VollzeitlehrerInnen können einen entsprechenden Zeitaufwand pro Unterrichtsstunde nicht aufbringen. Sie sind mit vielen Stunden in der Schule gebunden. Während der Unterrichtswochen arbeitet jede siebte Lehrkraft über 48 Stunden pro Woche, was arbeitsrechtlich die maximal zulässige Arbeitszeit ist. „Vollzeitlehrkräfte verfügen offensichtlich über weniger Optionen, Belastungsspitzen vorausschauend auszugleichen“, heißt es in der Studie. Dieser Effekt tritt an allen Schulformen auf. An Gesamtschulen, die in der Regel gebundene Ganztagsschulen sind, wirkt er offenbar stärker.

Die Studie kommt zu folgenden Schlussfolgerungen:

  • Wie können Teilzeitkräfte in die Lage versetzt werden, in Vollzeit zu arbeiten, falls sie aufgrund mangelnder Vor- und Nachbereitungszeiten reduziert haben sollten?
  • Wie können umgekehrt Vollzeitkräften angemessene Vor- und Nachbereitungszeiten ermöglicht werden?
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