Berichte über die Studie

Am Tag nach der Veröffentlichung der Ergebnisse war in so ziemlich jeder niedersächsischen Tageszeitung ein Bericht zu finden. Die Spannbreite war entsprechend groß. Es gibt eher neutral bis zurückhaltende Schlagzeilen: "Lehrer machen Überstunden" (Cellesche Zeitung) bzw. "Lehrer arbeiten mehr als normale Beamte" (Norheimer Neueste Nachrichten), ebenso wie Distanz ausdrückende Titel: "Die langen Arbeitstage der Lehrer / ... Elternvertreter: "Alles andere als dramatisch"" (Hannover Allgemeine Zeitung) und abwertende Schlagzeilen: "Lehrer: Wir arbeiten zu viel" (Braunschweiger Zeitung) bzw. "GEW behauptet: Lehrer arbeiten zu viel / Nur 3,6 Prozent der Pädagogen nehmen an Befragung teil" (Schaumburger Nachrichten, Aller Zeitung - abgesehen davon, dass 3,6 Prozent ein sehr guter Wert für solche Art von Studien darstellt, fragt man sich, wie ie Zeitungen die nächsten Wahlumfragen präsentieren werden...). Und es gab auch Knalliges: "Lehrer klagen über unbezahlte Arbeit / An Niedersachsens Gymnasien fallen 50.000 Überstunden pro Woche an - Viele gehen krank zur Schule" (NordWestZeitung) bzw. "Lehrer machen Millionen Überstunden" (Neue Osnabrücker Zeitung).

Kurzum: Im Berichtsteil war alles dabei, über das man sich freuen und ärgern kann. Vielfach wurde die Studie auch für Kommentare zum Anlass genommen. Auch hier war die Spannbreite entsprechend groß und ging einher mit den gewählten Überschriften aus den Berichten: "Mehrarbeit ist kein Drama" (Braunschweiger Zeitung), "Die Studie hat Schwächen / Es lohnt sich sicher, genauer hinzuschauen" (Hannoversche Allgemeine Zeitung), "Unterrichtsversorgung hat Vorrang" (Neue Presse Hannover), "Weckruf" (NordWestZeitung) bzw. "Warnschuss zum Start" (Neue Osnabrücker Zeitung).

Reaktionen aus der Politik

 Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) sieht die Studie als einen "wichtigen Beitrag" an, den man "genau analysieren" werde und der in die Arbeitszeitkommission, die die Landesregierung einsetzen wird, "angemessen" einfließen werde. Die SPD-Fraktion hingegen geht einen Schritt weiter und hat gleich eine Interpretation der Studie parat: "Eine Absenkung der Unterrichtsstunden würde keine Entlastung für Lehrerinnen und Lehrer bringen", zeigt sich Stefan Politze überzeugt. Es komme darauf an, den Fokus auf Entlastungsmöglichkeiten im außerunterrichtlichen Bereich zu legen. Der grüne Koalitionspartner wiederum liegt auf der Linie der Kultusministerin und verspricht eine "sorgfältige Auswertung".

Die CDU-Fraktion scheint den Ergebnissen zu misstrauen und sieht sich in ihrer Forderung nach einer "unabhängigen Erhebung der Arbeitszeit der Lehrkräfte" bestärkt. Gleichwohl müsse die Landesregierung die Ergebnisse der Studie "berücksichtigen". Die FDP-Fraktion hat sich nicht geäußert.

... und die Philologen

Der Philologenverband hat sich in seiner Stellungnahme sichtlich darum bemüht, die GEW als Initiator der Studie zu ignorieren und die Gewerkschaft daher mit keinem einzigen Wort erwähnt. Zudem sei die Studie nichts Neues, weil man das alles spätestens seit den eigenen "Untersuchungen" aus dem Jahr 2010 wisse. Schade nur, dass diese "Untersuchungen" nirgendwo transparent dokumentiert sind und somit nicht mit dem wissenschaftlichen Anspruch und der Datenqualität der Arbeitszeitstudie vergleichbar sind. Als GEW und Philologenverband vor dem Oberverwaltungsgericht Niedersachsen gegen die Stunde Mehrarbeit als Kläger auftraten, spielten die "Untersuchungen" der Philologen jedenfalls keine Rolle. Das Gericht würdigte die "Tellkampf-Studie" der GEW, die die Pilotstudie für diese Arbeitszeiterhebung darstellt, und bezog in ihrer Entscheidung gegen die Mehrarbeit die Tellkampf-Studie ein.